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Gefangen in der Möbisusschleife der chilenischen Informationsbürokratie

Es trennen uns nur noch ein 900 m Meer und ein paar Kilometer Straße vom Startpunkt unserer Kajak-/Berg-Expedition in einer der abgelegeneren Regionen Patagoniens.

Von Puerto Natales wollen wir mit einer Autofähre auf die Península Antonio Varas übersetzen, dort noch ein paar Kilometer zur Estancia Mercedes fahren, um von dort mit den Kajaks zu starten. Weil diese Halbinsel bewohnt ist, sollte es eigentlich kein Problem darstellen, hinüber zu kommen. Nur, an die Informationen zur Fähre, Fahrplänen und Kosten zu kommen, stellt sich als Herausforderung heraus. Erschwerend kommen noch Feiertage und das Wochenende hinzu.

Ich habe die Aufgabe übernommen, diese Infos zu besorgen. Gestern war das Büro an der Anlegestelle, die die wahrscheinlichste für die Überfahrt ist, wegen der Feiertage geschlossen, ein Zettel hat jedoch auf Öffnungszeiten heute Vormittag hingewiesen.
In der Früh starte ich ein weiteres Mal und bekomme die Auskunft, dass dieses Unternehmen die Halbinsel nicht anfährt, die Informationsstelle der Stadtverwaltung weiß aber mehr. Nur, diese ist an diesem Samstag leider geschlossen. Also wieder in die Stadt, und hinein ins erstbeste Büro, das uns Touristen Reisen verkaufen will. Die Dame dort ist auch sehr kompetent und weiß, dass die Empresa 21 de Mayo diese Strecke fährt. Also hin zum Büro. Aber nein, die machen das nicht. Aber das Schiff das hinüber fährt heißt Metalci und Informationen darüber gibt es am Hafen. Also wieder zurück. Aber diese Info lässt sich dort nicht finden.

Es ist allerdings naheliegend, dass die Armada de Chile, die chilenische Marine, wissen muss, welches Schiff wann wohin fährt und welche Möglichkeiten es gibt. Also zu ihrem Büro. Der nette Herr in Uniform erklärt mir, dass die Yendagaya zur Península Antonio Varas fährt, und zwar irgendwann zwischen 8:00 und 17:00 Uhr, aber natürlich nur, wenn der Wind nicht zu stark ist.
Um sicher zu gehen, besuche ich noch die nationale Touristeninfo, die überraschenderweise geöffnet ist. Auch hier bekomme ich eine Auskunft, wieder eine andere.

Der Vormittag ist vorbei, es sind dreieinhalb Stunden vergangen und ich bin gute 10 km durch die Stadt spaziert und gerannt, um Mittagspausen zuvorzukommen. Infos habe ich viele, jedoch wissen wir nicht viel mehr als vorher.
Es zeichnet sich ab, dass die von uns angepeilte Anlegestelle die ist, von der irgendein Boot irgendwann einmal abfahren wird.

Daher sieht unsere Taktik wie folgt aus: Wir beschließen erstmal das alte Jahr, und im kommenden stellen wir uns an den Hafen und warten, bis uns jemand mitnimmt und wir zu unserem Startpunkt, der Estancia Mercedes, fahren können.

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Fast 4.000 km Straße nach Patagonien

Die Zeit vergeht wie im Fluge, wir sind auf unserem Road-Trip nach Puerto Natales, und pünktlich vor Silvester werden wir dort ankommen.

Das Auto, die Ausrüstung und die Kajaks sind in Uruguay auf Vordermann gebracht worden, eine halbe Tagesetappe im Bus und eine Überfahrt mit der Fähre haben uns nach Argentinien gebracht. Die Einreiseformalitäten fürs Auto hat uns noch einen knappen Tag aufgehalten, was auch kein Schaden ist, denn Buenos Aires ist nicht der schlechteste Ort, um einen vorweihnachtlichen Abend zu verbringen, auch ohne Christkindel-Markt.

Die letzten Tage im Bus waren sich ziemlich ähnlich: Fahren, fahren, fahren, Kaffee trinken, essen und einkaufen für die Expedition und die Fahrt. Zwischendurch führen wir wahnsinnig tiefsinnige Gespräche, singen Weihnachts- und Neujahrslieder und bleiben immer wieder stehen, um die tolle Landschaft auf Foto und Film festzuhalten.

So ungefähr ist auch Weihnachten verlaufen, das Festessen bestand aus Steak und Gemüse, dazu passend ein feiner argentinischer Rotwein. Unter dem Weihnachtsbaum haben dem Christkind gedankt, dass es unsere Drohne aus den Klauen des hier so gierigen Windes gerettet, und damit ermöglicht hat, sie weniger als einen Kilometer von uns entfernt landen zu können.

Die kommenden Tage bis Silvester sind wir noch unterwegs und mit letzten Vorbereitungen für fünf Wochen in der Wildnis beschäftigt. Nachdem wir das neue Jahr ordentlich empfangen haben, starten wir dann mit den Kajaks auf unsere Reise in die patagonische Berg- und Fjordwelt.

Wir wünschen euch alles Beste für die letzten Tage des alten, und einen guten Start ins neue Jahr!

Start des Projekts »Great Patagonian Challenge«

Vor zwei Jahren hat mich Patagonien gefangen genommen, jetzt starten wir das nächste Projekt…
Mit meinem Expeditionspartner Lars Karkosz geht es nun zum zweiten Mal mit dem Kajak in die abgelegenen Ecken Patagoniens.
(Beitragsbild oben: © Lars Karkosz – www.sea-nomads.com)

 

Start des Projekts

Ich bin nun schon den achten Tag in Uruguay und glaube, inzwischen auch hier angekommen zu sein.

Es ist ein langsamer und dadurch sehr angenehmer Start in unser diesjähriges Patagonien-Projekt. Worum es sich dabei handelt kann auf unserer kleinen Projekt-Website nachgelesen werden: patagonia.derberg.at

Für mich ist es ein besonders reizvolles Projekt. Einerseits, da wir in einer atemberaubend wilden Gegend unterwegs sein werden, viel abgeschiedener als die üblichen Expeditionsgegenden dieser Welt. Andererseits sind es die Ungewissheit und die hohe Wahrscheinlichkeit des Scheiterns, was diese Reise für mich interessant macht. Zudem sind wir im kleinen Team, autark und so naturnahe wie nur möglich unterwegs. Keine Unterstützung von außen, kein Backup. Nur wir und die Natur.

 

Was geschah alles in der ersten Woche der Reise?

Seit November unterstützt der britische Bergsportausrüster Rab mich und unser Projekt mit seinen Produkten. Ich darf auch Lars ein schönes Paket Material mitbringen, das den letzten noch freien Kubikzentimeter meiner Taschen ausfüllt. Denn Kajak-, Berg-, Camping-, Foto- und Filmausrüstung inklusive Drohne und entsprechenden Solarpanelen und Akkus bringen schon so einiges auf die Waage. Dass mir am Flughafen Zürich zwei Drohnenakkus aus dem Gepäck herausgenommen wurden, weil sie nicht im Aufgabegepäck mitgeführt werden dürfen, hilft auch nicht wirklich, denn zumindest einen musste ich in Montevideo nachkaufen, um einigermaßen ausgerüstet zu sein.

Nach ein paar Tagen in Montevideo habe ich meine beiden Taschen und den Rucksack geschnappt und bin mit insgesamt 86 kg Gepäck anderthalb Stunden Richtung Osten gefahren. Im Pueblo Suizo steht der VW Bus, der die nächsten zwei Wochen unser Zuhause sein wird. Dort habe ich auch Lars getroffen, der am gleichen Tag aus Brasilien angekommen ist.

Bus, Kajaks und die Ausrüstung sind inzwischen Vordermann gebracht, nun kann die 10-Tages-Reise nach Puerto Natales losgehen.

 

Warum ich auf einem Projekt wie diesem fotografiere und filme

Es gibt zwei Gründe:
Nummer 1, der Spaß daran:
Erlebnisse festzuhalten und zu teilen ist für mich etwas, das mir Freude bereitet. Es soll zukünftig auch mehr Platz in meinem Berufsleben einnehmen. Ich spüre, dass die Berufung dazu schon da ist.

Nummer 2, und aus meiner Sicht auch der ausschlaggebende Grund:
Eine liebe Freundin hat mir einmal gesagt, ich habe die Verpflichtung, meine Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen, die die Möglichkeit nicht haben, diese selbst zu machen.
Da ich selber gerne Erzählungen über Abenteuer höre und sehe, sei es bei Vorträgen, Filmen, in Magazinen, dem Internet oder Radio, kann ich das gut nachvollziehen. Und solange mir zugehört und zugeschaut wird, erzähle ich gerne.

Weitere Infos zu Lars und seinen Projekten gibt es auf seiner Website www.sea-nomads.com