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Expedition zum Manaslu, Herbst 2019

Erster Gipfelversuch 8.163 m

Die Akklimatisationsphase ist abgeschlossen und zwei Ruhetage haben uns ein bisschen Energie zurückgebracht. Morgen Sonntag starten wir zum Gipfel, den wir am Donnerstag erreichen wollen – wenn alles so klappt, wie geplant.

Vor einer knappen Woche sind wir zu unserer letzten Akklimatisationsrunde aufgebrochen. Die Wettervorhersage war zwar nicht perfekt, doch wir sagten uns, „Gekoblert wird bei uns nicht.“

[Anmerkung: „koblern“ ist ein 2019 im Manaslu-Basecamp entstandenes Verb, das eine Person oder eine Personengruppe beschreibt, die aufgrund eventueller meteorologischer Unannehmlichkeiten geplante Akklimatisations- oder Gipfelanstiege aufschiebt und stattdessen die Annehmlichkeiten des Basislagers genießt.]

So ging es hinauf ins Lager 1 (5.600 m), am nächsten Tag für die erste Nacht ins Lager 2 auf 6.350 m. Auf dieser Route geht es schon richtig zur Sache. Dem oft nicht sehr vertrauenswürdigen Fixseil entlang führt der Weg teilweise auf Leitern über tiefe Gletscherspalten und hinauf über stellenweise senkrechte Gletscherabbrüche. Hier erfährt man, warum der Manaslu ist nicht als der einfachste, und auch nicht als der objektiv sicherste Achttauender bekannt ist.

Auf der Höhe des zweiten Hochlagers fühlten wir uns noch recht wohl, und trotz angekündigtem Schneefall verlebten wir die erste niederschlagsfreie Nacht am Berg. Dafür war sie mit -14 °C im Vorzelt recht kalt.

Am Mittwoch stiegen wir weiter auf. Das Wetter verschlechterte sich und bei stetigem Schneefall ging es über zwei weitere Steilstufen zum Lager 3 auf 6.720 m. Es waren zwar nur knapp 400 Höhenmeter, aber weil wir für diese Höhe noch nicht akklimatisiert waren und die Rucksäcke ein ordentliches Gewicht hatten, war es doch recht anstrengend. Nachdem wir unseren Hohträgern Mingma Tenji und Karma beim Aufbau der Zelte und – ganz wichtig – des Lokus geholfen hatten, entspannten wir in unseren Schlafsäcken und versuchten, die im Aufstieg verlorene Flüssigkeit wieder nachzufüllen.

Die kommende Nacht war mild und brachte neben 30 cm Neuschnee auch Kopfschmerzen mit sich. Kaffee, Schüttelbrot und Frischkäse machten uns aber wieder fit für den Abstieg ins Basislager. Den Alternativplan – noch ein paar Höhenmeter aufzusteigen und dann noch eine Nacht in Lager 3 zu verbringen – verwarfen wir, da noch keine Fixseile weiter hinauf führten und weil ein logistischer Fauxpas unser kulinarische Vielfalt am Berg vorerst sehr stark einschränkte. Anders ausgedrückt, wir hatten fast nichts mehr zum Essen.

Im Basislager wurden wir mit einem feinen Mittagessen empfangen, der Nachmittag brachte eine Dusche, Entspannung, Bier, Speck, Käse, Oliven, Knäckebrot und Rotwein mit sich, und in der Nacht wurde der fehlende Schlaf nachgeholt.

Die folgenden Ruhetage gestern und heute waren wichtig, denn wenn auch noch mehr als 1.400 Höhenmeter bis zum Gipfel fehlten, waren es doch recht anstrengende Tage mit schweren Rucksäcken.

Der Wetterbericht für die kommenden 8 Tage ist wie für uns gemacht. Wir starten morgen Sonntag ins Lager 1. Die ersten Tage sollten noch ein wenig bedeckt sein, was bei der sonst sehr starken Sonneneinstrahlung äußerst angenehm ist. Danach stellt sich eine stabile Gutwetterphase ein, mit mäßig starkem Wind und nicht allzu kalten -22 °C im Gipfelbereich.

Die Rucksäcke werden am Vormittag gepackt und dann starten wir morgen nach dem Mittagesen den ersten 6 Tage langen Versuch, den 8.163 m hohen Gipfel des Manaslu zu erreichen.

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Das Expeditionsleben

Das Leben am Achttausender unterscheidet sich gar nicht so stark vom Alltag daheim. Routine, Drama, Erfolg und Misserfolg – alles ist da, nur ein wenig anders.

Das Bergsteigerische: Wir haben uns eingelebt und das erste Drittel unseres Gipfelplans umgesetzt. Zwei Nächte im Lager 1 liegen hinter uns, der erste Akklimatisations- und Transportgang zum Lager 2 ist auch erledigt. Morgen folgt der zweite Streich, in drei Etappen schlafen wir uns zum Lager 3 hoch.

Natürlich sind wir superstark, motiviert und wir wissen auch, dass die schlechte Wetterprognose falsch ist. So ware die Vorhersagen bislang auch nur in Ansätzen richtig.

Der Alltag und die Dramen: Wie daheim wird auch hier getratscht und spekuliert. Wir machen uns ein wenig über die einen Nachbarn lustig und erfahren von der anderen Gruppe nebenan die neuesten Geschichten aus dem Manaslu-Universum. Da soll doch einer umgehen, der im Lager 2 Essen und Gas klaut, und danach sogar die Zelttüren weit offen stehen lässt. Es wird gemunkelt, es seie der Italiener. Warum es nicht der Rumäne, der Pole oder der Montafoner war, ist nicht klar. Gesehen hat ihn niemand, und eigentlich sind diese alle vorurteilsgeschichtlich doch gleich vorbelastet.

Und dann war da noch die Wunderheilung. Ein Teilnehmer luxiert sich beim Abstieg vom Lager zwei die Schulter, er wird in zwei mühsamen Etappen ins Basislager begleitet, wo für den nächsten Tag ein Helikopter nach Kathmandu organisiert wird. Wundersamerweise renkt sich während dem Abstieg die Schulter wieder ein, und kurz vor die Hubschrauberrettung anläuft verschwinden auch die Schmerzen und das Fortführen der Bergreise ist doch wieder möglich.

Fast so wunderlich ist das Wiederauftauchen des verlorenen Bergsteigers, der zuletzt im Aufstieg zum Lager zwei gesichtet wurde. Danach galt er als verschollen, sein Freund war besorgt, die Expeditionskollegen ratlos. Zwei Tage wird gesucht, gefragt, an Zelte geklopft – bis ein Funkspruch enthüllt, dass er sich doch im Basislager befindet. Welch Mysterium.

Ja, Religiosität wäre hier in vielen Situationen hilfreich, und es ließe sich damit so manches erklären. Statt beten und frohlocken schüttle ich jedoch immer wieder den Kopf, und in besonders kuriosen Fällen kommt sogar der Vanderbell’sche Scheibenwischer zum Einsatz.

Bei all der Aufregung kommen die gelegentlichen Ruhetage genau recht. Wie schön, dass es sie gibt. Diese vergehen jedoch unglaublich rasch. Der Expeditionsleiter einer Gruppe hat dann endlich Zeit, entspannt zwischen Teilnehmern, Basislagercrew, Hochträgern, der Agenur in Kathmandu und den Verantwortlichen in Deutschland zu vermitteln. Danach wollen Unterhosen und Merinoshirts den Dreck der letzten Tage loswerden und es sollte ja noch Speck für die kommenden Tage am Berg angegessen werden. Letzteres stellt bei dem vorzüglichen Basislager-Essen die kleinste Schwierigkeit dar. Manchmal ist auch Zeit für eine Dusche. Und weil das Internet zwischen 23:00 und 4:00 Uhr recht passabel funktioniert, kann auch die Social Media mit Bildern und ein paar Worten gefüttert werden.

Natürlich darf nicht vergessen werden, weshalb diese Ruhetage erfunden wurden: Entspannen, Kaffee trinken, sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und dabei ein gutes Buch lesen. Auch ich habe eines dabei – klassisch, aus Papier. In den letzten zweieinhalb Wochen habe ich es schon bis auf Seite 22 geschafft.

Morgen geht es wieder los, Rucksäcke werden gepackt, Gaskartuschen gezählt und beim Abendessen bleibt kein Krümel übrig, denn wir wollen doch, dass Regen und Schneefall endlich vorüber gehen…

Manaslu Base Camp

Das Trekking ist vorbei, wir sind im Manaslu Basislager auf 4.860 m angekommen und haben mit der Akklimatisation am Berg angefangen. Langsam beginnt der erstere Teil der Expedition.

Nachdem Muren die Straße nach Dharapani an mehreren Stellen unpassierbar gemacht hat, startete unser Trekking früher als geplant. Die 22 Kilometer der ersten, jetzt erweiterten Tagesetappe von Chamje nach Gowa waren ein guter und landschaftlich äußerst interessanter Einstieg. Am nächsten Tag ging es nach Bimthang, unserem letzten Lager vor der ersten großen Hürde, dem 5.135 m hohen Larkya Pass.

Nach einem Akklimtisationstag führten uns 22 km und 1.500 Höhenmeter über diesen Pass nach Samdo, Tags darauf hatten wir eine kurze Etappe nach Samagaon, der letzten Ortschaft vor dem Aufstieg ins Basislager.

Am 8. September ging es dann endlich an den Fuß des Manaslu, zum Basecamp auf 4.860 m, zu unserer Heimat für die nächsten Wochen.

Dass der Monsun noch nicht ganz vorbei ist, bekommen wir jeden Tag mit. Die Nachmittage und Nächte sind meist verregnet, aber es kommt fast jeden Tag ein bisschen Sonne raus. Jedenfalls ist das Wetter gut genug, um in die unteren Lager aufzusteigen, diese einzurichten und den Körper gleichzeitig an die Höhe anzupassen. Und die stabile Schönwetterphase brauchen wir erst in ca. zwei Wochen.

Nach einem Ruhetag im Basislager ging es schon zur Lager 1 und wieder zurück. Der folgende Tag war für die Puja reserviert. Schon in der Früh stand der Lama mit seiner roten Jacke von der Skischule Kitzbühel da. Unser Koch, die Küchenhelfer und Hochträger waren damit beschäftigt, alles für diese wichtige Zeremonie herzurichten.

Die anschließenden zwei Stunden beten, singen, trommeln und klingeln haben die Götter mit Sicherheit auf unsere Seite gebracht, nicht zuletzt aufgrund des uns selbst geopferten Whiskeys und Bier.

Jetzt kann es richtig losgehen. Die weltlichen und geistlichen Formaliäten haben wir nun hinter uns gebracht, wir sind motiviert und können die weiteren Aufstiege kaum erwarten…

Manaslu 2019 – Start Richtung 8.163 m

Die Expedition auf den 8.163 m hohen Manaslu hat gestartet. Ich darf bei dieser Reise als Expeditionsleiter für Amical Alpin dabei sein.

Meine Ausrüstung ist gepackt, 135 kg Gepäck bestehend aus Gruppenausrüstung und meinen Habseligkeiten konnten nach langen Diskussionen am Flughafen München eingecheckt werden, Kathmandu ist erreicht, weiteres Essen fürs Basislager ist eingekauft und das Briefing beim Tourismusministerium ist auch Geschichte. Es kann losgehen!

Morgen Sonntag starten wir die Fahrt Richtung Dharapani, wo unser Trekking zum Basecamp beginnen sollte. Der Monsun hat uns hier jedoch ein Steinchen in den Weg gelegt, die Brücke bei Chamje wurde weggespült, die Straße ist daher unpassierbar. Das ist nicht weiter schlimm, so beginnt unser Trekking eben ein bisschen früher, mit ein wenig Glück können wir die letzte Straßenkilometer ab Tal wieder im Allrad-Fahrzeug sitzen.

Die folgenden sieben Tage bringen uns über den Larkya Pass nach Samagaon und dann weiter zum Manaslu-Basislager auf ca. 4.900 m. Beinahe einen Monat haben wir für die Akklimatisation, die Errichtung unserer vier Lager und den Gipfelgang.

Wir sind eine tolle und motivierte Gruppe bestehend aus 6 Teilnehmern, 3 Hochträgern, einem Koch, einem Küchenhelfer, Andreas – der uns bis zum BC begleitet und dann andere Trekking-Wege geht – und mir.

Ich hoffe, dass die Kommunikation wie geplant funktioniert, denn dann kann ich auf dieser Seite und auf meinen Social Media Kanälen von unseren Fortschritten berichten.

Auch auf dem Blog von Amical Alpin wird regelmäßig über unser Ergehen am Berg berichtet.

Mit großer Vorfreude und einer mächtigen Portion Respekt vor dem Berg schicke ich beste Grüße aus Kathmandu in die Heimat und in die Welt!

Bis bald,

Stefan