Llegué..

Angekommen…
…in Ecuador, im neuen Jahr, in den Bergen. Die Überschrift habe ich schon vor mehr als einer Woche geschrieben, sie stimmt noch immer, nur, dass ich mich schon langsam darauf vorbereiten sollte, an den Abschied denken zu müssen. Noch ist es aber nicht soweit.

Wir beginnen im letzten Jahr, bei meiner Landung in dem Land, das den Namen der längsten Geraden auf der Weltkarte trägt. Ein tüchtiger Taxifahrer, der mir mit einer gedruckten Liste beweisen konnte, dass der Fahrpreis zur Calle Buganvillas doch erheblich höher ist als mir gesagt wurde, hat sich meiner angenommen. Ziel war das Haus von Chris, die mir in Ecuador Obdach, Unterhaltung, Verpflegung, Transport, Kontakte und vieles mehr gewährt. Gefunden haben wir das Haus nicht, auch dass ich Straße, Hausnummer, angrenzende Straßennamen und Einrichtungen, Namen von Chris, ihrem Sohn Loran, dem Hund Pluto, der Nachbarin und des Wachtmannes kannte, half nichts. Der fleißige Taxifahrer hat dann gemeint, dass er schon lange genug gesucht und für den verlangten Preis schon mehr als genug Zeit und Sprit investiert habe. Nachdem er und sämtliche Gefragten unbeirrt behauptet hatten, dass es nur eine Calle Buganvillas in Tumbaco bei Quito gibt, habe ich meine 40 Kilo Gepäck geschultert und mich alleine auf die Suche gemacht. Das Fragen von Passanten, Arbeitern und Bewohnern war mal weniger, mal mehr erfolgreich. Wenige kannten Chris, und die, die sie kannten waren sich nicht einig, in welchem der Häuser sie wohnt. Egal, denn keines der genannten war das richtige. Mein Handy nutzte nichts, da sich mein österreichischer Netzbetreiber nicht die Mühe gemacht hat, einen Partner in Ecuador zu suchen. Doch es gab da was, das ich noch nicht probiert hatte. Ich kannte den Namen des WiFi-Netzwerkes im Haus. Das könnte helfen. Also bin ich mit dem Handy in der Hand ein weiteres Mal durch die Straßen marschiert und habe den Äther nach Signalen mit dem Namen „Christine“ abgesucht. Naja, geholfen hat das Alles nichts. Schlussendlich hat sich ein netter Anrainer der Calle Buganvillas meiner erbarmt (ich wusste ja schon von damals, dass Bougainvilleans sehr hilfsbereit sind), Chris angerufen, erfahren, dass es doch noch eine zweite Straße mit dem selben Namen gibt und mich dort hin gebracht. Danke.

Es folgte ein Tag der Eingewöhnung, und dann ging es los mit den Bergen.
Zu Silvester starteten wir zum Vulkan Quilotoa, der eine beeindruckende, drei Kilometer große Caldera mit einem grünen Kratersee hat. Aber zuerst galt es das Jahr abzuschließen. Und das macht man am besten im Zelt. Nach dem gemütlich Abendessen kam erst ein Gläschen Wein und dann das neue Jahr. Mit ihm auch ein paar Stunden Schlaf, dann ein Frühstück und in weiterer Folge die Wanderung um die Caldera. Als herausragende bergsteigerische Leistung kann die Besteigung und Umrundung des Quilotoa nicht bezeichnet werden, führt doch eine Straße bis zum Kraterrand. Der Spaziergang auf 3.914 Metern und darunter eignet sich jedoch sehr gut zum Re-akklimatisieren.
Am Abend des ersten Tages im Jahr fuhren wir dann zum Hausberg von Quito. An den Hängen des mit 4.794 m höheren Gipfels mit dem Namen Guagua Pichincha befindet sich ein Refugio, von dem aus wir am zweiten Jänner auf den Gipfel gegangen sind.

Danach wurde es langsam Zeit für eine Dusche, darum ging es kurz nach Hause, und dann mit neu gefülltem Rucksack zum Klettergarten Sigsipamba. Wieder war das Zelt unser Zuhause.
Gegen Mittag des dritten Jänner wurde es uns zu warm zum Klettern und wir tauschten Kletterschuhe gegen Bergschuhe und Chalkbag gegen Handschuhe und fuhren zu den Illinizas. Gegen Mitternacht war das Zelt auf 4.740 m aufgebaut und das Abendessen gekocht. Wegen dem nicht allzu guten Wetter entschieden wir am folgenden Morgen den leichteren und mit 5.126 m niedrigeren Illiniza Norte anzugehen. Der Nebel machte den Ausblick vom Gipfel eher unspektakulär, die Stimmung am höchsten Punkt war jedoch umso fantastischer. Wir nahmen uns vor, für den Ausblick und für den Illiniza Sur wieder zu kommen und fuhren zurück nach Quito/Tumbaco.

Nun war erstmal ein Ruhetag geplant. Doch an diesem ergab sich für mich die Möglichkeit mit Gaspar, einem ecuadorianischen Bergführer, und seinen Freunden zum Cotopaxi zu fahren. Sowas lässt man sich nicht entgehen und deshalb gab es wieder eine Nacht im Zelt, diesmal am Fuße des zweithöchsten Berges im Land. Naja, Nacht kann man zu den zwei Stunden dösen vor elf Uhr abends auch nicht sagen, denn dann wurde „gefrühstückt“ und es ging los Richtung Gipfel. Dass ich mich als Bergführer betätigen werde wusste ich nicht, doch es kam so, vom Schuhe Binden bis hin zur Motivation zum großen Schritt über die Gletscherspalte. Auch schön, und nachdem sich Ruben für die frühzeitige Rückkehr zum Auto entschlossen hatte stand ich am Morgen des sechsten Tages im Jahr mit Claudia am Gipfel auf 5.897 m.

Der folgende Ruhetag war wichtig, vor allem weil es mit der sauberen Wäsche langsam knapp wurde. Dieses Problem wurde angegangen und dann auch gleich der Rucksack für den Carihuairazo, den nächsten 5.000er, gepackt. Der Nachbar vom Chimborazo war aber eher schüchtern, er wollte sich nicht einmal für einen kurzen Moment zeigen, und nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, verdarb er uns die Freude mit einer verregneten Nacht.
Chris und ich haben überlegt, was erfahrene Bergsteiger in einer solchen Situation machen müssen. Nach wenigen Minuten sind wir beide zum selben Schluss gekommen: die nächsten Tage am Strand zu verbringen. So haben wir das nasse Zelt wieder abgebaut und uns auf den Rückweg gemacht. Die nun schlammige Straße war sogar für den Land Cruiser eine Herausforderung.

Noch am selben Abend sind Chris, Loran und ich zur Küste nach Esmeraldas aufgebrochen. Wie auch schon früher habe ich gerne für einen Teil der Strecke am Fahrersitz Platz genommen. Als wir gegen ein Uhr nachts auf eine Polizeikontrolle trafen kam das schlechte Gewissen, weil ich doch keinen Führerschein dabei hatte. Aber kein Problem, denn der LKW vor uns versperrte dem kontollierenden Beamten die Sicht auf uns, und Chris und ich konnten schnell die Plätze tauschen. Jetzt ist es aber so, dass auch in Ecuador die Polizei immer paarweise auftritt, und der andere Gesetzteshüter hatte sich ganz raffiniert im Schatten versteckt und die Rochade beobachtet. Natürlich wurden wir nun kontrolliert und entsprechend gerügt. Fahren ohne Führerschein ist nicht gern gesehen, das bedeutet mindestens eine Geldstrafe von 680 Dollar und zusätzlich 8 Tage Gefängnis. Nach einer halbe Stunde sehr geschickter Verhandlungen von Chris („Nein, Stefan kann nicht ins Gefängnis, er hat in ein paar Tagen seinen Rückflug … Nein, wir haben nicht mehr Geld, und die Bankomaten funktionieren nur bis Mitternacht … Jetzt kommt der arme Tourist zum ersten Mal nach Ecuador, und dann dies, was macht das für ein Bild?“) und äußerst fairen 15 Dollar Trinkgeld hat sich das Problem erledigt und wir konnten weiter fahren.

Die kommenden zwei Tage waren sehr erholsam, Sonne, Sand und Meer für die Seele, Langusten, Garnelen, Muscheln, Fisch, güldene Elektrolytgetränke und Agua de Coco für den Körper. Um uns beim nach-Hause-Fahren trotz meinem fehlendem Führerschein hinter dem Steuer abwechseln zu können, sind wir kurz bei einem Internet-Cafe stehen geblieben, ich habe mir meinen gescannten Führerschein ausgedruckt und schon hatten wir eine neue Verhandlungsgrundlage für eventuelle Diskussionen bei Polzeikontrollen.

Vor wenigen Tagen zog es uns dann wieder in die Berge, mit dem Illiniza Sur als Ziel. Beim Aufstieg zur Hütte, diesmal sind wir zumindest bei Tageslicht gestartet, sahen wir zum ersten Mal die beiden Gipfel, der sternenklare Nachthimmel versprach gutes Wetter für den kommenden Tag. Doch irgendwie wollte es nicht klappen, Probleme mit Steigeisen, mit kalten Zehen etc. haben uns frühzeitig umdrehen lassen.
Ja, aller guten Dinge sind drei. Wir werden wieder kommen.

Weitere Bergpläne sind derzeit auf Eis gelegt, ein regelmäßig wiederkehrendes, bestimmtes Bedürfnis, dem Lokus nicht allzu fern zu sein geben mir die Möglichkeit, diese Zeilen zu schreiben. Dass sich das Wetter auch nicht von der besten Seite zeigt ist ganz gut und hält das Bergsteiger-Gewissen ruhig.
In der Gegend befinden sich zwei überdachte Boulder- und Kletteranlagen mit einwandfreien Sanitäranlagen, es wird also nicht langweilig…

Liebe Menschen, ich will eigentlich nicht politisch werden, mein Schlusswort geht aber ein wenig in diese Richtung:
Ich weiß ja nicht genau, was sich bei euch in Europa so abspielt, aber, ihr wollt ernsthaft meine Kreditkartennummer und Essenswünsche speichern, sobald ich einen Flug buche und damit den Terrorismus unter Kontrolle bringen?

Also, liebe Daheimgebliebenen, mal ehrlich, ist das nicht so wie wenn ich mir auf den großen Zeh pinkle und dabei behaupte, dass ich dadurch bei der Mittwochsziehung den Lotto-Sechser machen werde?
Schon ein bisschen abstrus, nicht?

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