Gefangen in der Möbisusschleife der chilenischen Informationsbürokratie

Es trennen uns nur noch ein 900 m Meer und ein paar Kilometer Straße vom Startpunkt unserer Kajak-/Berg-Expedition in einer der abgelegeneren Regionen Patagoniens.

Von Puerto Natales wollen wir mit einer Autofähre auf die Península Antonio Varas übersetzen, dort noch ein paar Kilometer zur Estancia Mercedes fahren, um von dort mit den Kajaks zu starten. Weil diese Halbinsel bewohnt ist, sollte es eigentlich kein Problem darstellen, hinüber zu kommen. Nur, an die Informationen zur Fähre, Fahrplänen und Kosten zu kommen, stellt sich als Herausforderung heraus. Erschwerend kommen noch Feiertage und das Wochenende hinzu.

Ich habe die Aufgabe übernommen, diese Infos zu besorgen. Gestern war das Büro an der Anlegestelle, die die wahrscheinlichste für die Überfahrt ist, wegen der Feiertage geschlossen, ein Zettel hat jedoch auf Öffnungszeiten heute Vormittag hingewiesen.
In der Früh starte ich ein weiteres Mal und bekomme die Auskunft, dass dieses Unternehmen die Halbinsel nicht anfährt, die Informationsstelle der Stadtverwaltung weiß aber mehr. Nur, diese ist an diesem Samstag leider geschlossen. Also wieder in die Stadt, und hinein ins erstbeste Büro, das uns Touristen Reisen verkaufen will. Die Dame dort ist auch sehr kompetent und weiß, dass die Empresa 21 de Mayo diese Strecke fährt. Also hin zum Büro. Aber nein, die machen das nicht. Aber das Schiff das hinüber fährt heißt Metalci und Informationen darüber gibt es am Hafen. Also wieder zurück. Aber diese Info lässt sich dort nicht finden.

Es ist allerdings naheliegend, dass die Armada de Chile, die chilenische Marine, wissen muss, welches Schiff wann wohin fährt und welche Möglichkeiten es gibt. Also zu ihrem Büro. Der nette Herr in Uniform erklärt mir, dass die Yendagaya zur Península Antonio Varas fährt, und zwar irgendwann zwischen 8:00 und 17:00 Uhr, aber natürlich nur, wenn der Wind nicht zu stark ist.
Um sicher zu gehen, besuche ich noch die nationale Touristeninfo, die überraschenderweise geöffnet ist. Auch hier bekomme ich eine Auskunft, wieder eine andere.

Der Vormittag ist vorbei, es sind dreieinhalb Stunden vergangen und ich bin gute 10 km durch die Stadt spaziert und gerannt, um Mittagspausen zuvorzukommen. Infos habe ich viele, jedoch wissen wir nicht viel mehr als vorher.
Es zeichnet sich ab, dass die von uns angepeilte Anlegestelle die ist, von der irgendein Boot irgendwann einmal abfahren wird.

Daher sieht unsere Taktik wie folgt aus: Wir beschließen erstmal das alte Jahr, und im kommenden stellen wir uns an den Hafen und warten, bis uns jemand mitnimmt und wir zu unserem Startpunkt, der Estancia Mercedes, fahren können.

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Fast 4.000 km Straße nach Patagonien

Die Zeit vergeht wie im Fluge, wir sind auf unserem Road-Trip nach Puerto Natales, und pünktlich vor Silvester werden wir dort ankommen.

Das Auto, die Ausrüstung und die Kajaks sind in Uruguay auf Vordermann gebracht worden, eine halbe Tagesetappe im Bus und eine Überfahrt mit der Fähre haben uns nach Argentinien gebracht. Die Einreiseformalitäten fürs Auto hat uns noch einen knappen Tag aufgehalten, was auch kein Schaden ist, denn Buenos Aires ist nicht der schlechteste Ort, um einen vorweihnachtlichen Abend zu verbringen, auch ohne Christkindel-Markt.

Die letzten Tage im Bus waren sich ziemlich ähnlich: Fahren, fahren, fahren, Kaffee trinken, essen und einkaufen für die Expedition und die Fahrt. Zwischendurch führen wir wahnsinnig tiefsinnige Gespräche, singen Weihnachts- und Neujahrslieder und bleiben immer wieder stehen, um die tolle Landschaft auf Foto und Film festzuhalten.

So ungefähr ist auch Weihnachten verlaufen, das Festessen bestand aus Steak und Gemüse, dazu passend ein feiner argentinischer Rotwein. Unter dem Weihnachtsbaum haben dem Christkind gedankt, dass es unsere Drohne aus den Klauen des hier so gierigen Windes gerettet, und damit ermöglicht hat, sie weniger als einen Kilometer von uns entfernt landen zu können.

Die kommenden Tage bis Silvester sind wir noch unterwegs und mit letzten Vorbereitungen für fünf Wochen in der Wildnis beschäftigt. Nachdem wir das neue Jahr ordentlich empfangen haben, starten wir dann mit den Kajaks auf unsere Reise in die patagonische Berg- und Fjordwelt.

Wir wünschen euch alles Beste für die letzten Tage des alten, und einen guten Start ins neue Jahr!

Start des Projekts »Great Patagonian Challenge«

Vor zwei Jahren hat mich Patagonien gefangen genommen, jetzt starten wir das nächste Projekt…
Mit meinem Expeditionspartner Lars Karkosz geht es nun zum zweiten Mal mit dem Kajak in die abgelegenen Ecken Patagoniens.
(Beitragsbild oben: © Lars Karkosz – www.sea-nomads.com)

 

Start des Projekts

Ich bin nun schon den achten Tag in Uruguay und glaube, inzwischen auch hier angekommen zu sein.

Es ist ein langsamer und dadurch sehr angenehmer Start in unser diesjähriges Patagonien-Projekt. Worum es sich dabei handelt kann auf unserer kleinen Projekt-Website nachgelesen werden: patagonia.derberg.at

Für mich ist es ein besonders reizvolles Projekt. Einerseits, da wir in einer atemberaubend wilden Gegend unterwegs sein werden, viel abgeschiedener als die üblichen Expeditionsgegenden dieser Welt. Andererseits sind es die Ungewissheit und die hohe Wahrscheinlichkeit des Scheiterns, was diese Reise für mich interessant macht. Zudem sind wir im kleinen Team, autark und so naturnahe wie nur möglich unterwegs. Keine Unterstützung von außen, kein Backup. Nur wir und die Natur.

 

Was geschah alles in der ersten Woche der Reise?

Seit November unterstützt der britische Bergsportausrüster Rab mich und unser Projekt mit seinen Produkten. Ich darf auch Lars ein schönes Paket Material mitbringen, das den letzten noch freien Kubikzentimeter meiner Taschen ausfüllt. Denn Kajak-, Berg-, Camping-, Foto- und Filmausrüstung inklusive Drohne und entsprechenden Solarpanelen und Akkus bringen schon so einiges auf die Waage. Dass mir am Flughafen Zürich zwei Drohnenakkus aus dem Gepäck herausgenommen wurden, weil sie nicht im Aufgabegepäck mitgeführt werden dürfen, hilft auch nicht wirklich, denn zumindest einen musste ich in Montevideo nachkaufen, um einigermaßen ausgerüstet zu sein.

Nach ein paar Tagen in Montevideo habe ich meine beiden Taschen und den Rucksack geschnappt und bin mit insgesamt 86 kg Gepäck anderthalb Stunden Richtung Osten gefahren. Im Pueblo Suizo steht der VW Bus, der die nächsten zwei Wochen unser Zuhause sein wird. Dort habe ich auch Lars getroffen, der am gleichen Tag aus Brasilien angekommen ist.

Bus, Kajaks und die Ausrüstung sind inzwischen Vordermann gebracht, nun kann die 10-Tages-Reise nach Puerto Natales losgehen.

 

Warum ich auf einem Projekt wie diesem fotografiere und filme

Es gibt zwei Gründe:
Nummer 1, der Spaß daran:
Erlebnisse festzuhalten und zu teilen ist für mich etwas, das mir Freude bereitet. Es soll zukünftig auch mehr Platz in meinem Berufsleben einnehmen. Ich spüre, dass die Berufung dazu schon da ist.

Nummer 2, und aus meiner Sicht auch der ausschlaggebende Grund:
Eine liebe Freundin hat mir einmal gesagt, ich habe die Verpflichtung, meine Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen, die die Möglichkeit nicht haben, diese selbst zu machen.
Da ich selber gerne Erzählungen über Abenteuer höre und sehe, sei es bei Vorträgen, Filmen, in Magazinen, dem Internet oder Radio, kann ich das gut nachvollziehen. Und solange mir zugehört und zugeschaut wird, erzähle ich gerne.

Weitere Infos zu Lars und seinen Projekten gibt es auf seiner Website www.sea-nomads.com

Golden Line Verdon

…unser Filmprojekt über die Tour „Golden Shower“ in Verdon, mit Tobias Bitschnau, Christoph Schranz, Stefan Glowacz, Barbara Zangerl und Jacopo Larcher…

Die Idee zu diesem Filmprojekt entstand Ende Juni 2016, als Tobias mich angerufen und erzählt hat, dass ihm und Christoph soeben die erste und zweite Eintages-Rotpunkt-Begehung der Route „Golden Shower“ von Stefan Glowacz gelungen ist.

Die „Golden Shower“ wurde 2012 von Stefan Glowacz eröffnet und ist mit ihren 150 Metern und Schwierigkeiten bis 8b+ eine der schwersten Mehrseillängentouren des Gebietes.
Bekannt wurde sie durch den Dokumentarfilm „Spielplatz der Extreme – Die Verdonschlucht“ bei Servus TV (Bergwelten).

Ich konnte mich schnell für das Projekt begeistern und Ende Oktober, nach der Hochsaison für uns Bergführer, sind wir für neun Tage nach Frankreich gefahren, um in der Tour und der malerischen Verdonschlucht zu filmen. Anfang 2017 hat uns Stefan Glowacz ein ausführliches Interview gegeben, und wir durften auch Barbara Zangerl Jacopo Larcher zu dieser einzigartigen Linie in Verdon befragen.

Eine spannende Geschichte, motivierte Protagonisten, bekannte Namen und jemand der filmt und schneidet reichen jedoch noch nicht, um einen guten Dokumentarfilm richtig gut zu machen: vor ein paar Tagen habe ich Lucas Bitschnau, meinen alten Schulfreund und inzwischen erfolgreicher Musikproduzent, Komponist und Sounddesigner, getroffen. Nach über 20 Jahren haben wir noch immer die gleiche Wellenlänge und obwohl ich ihm kein Geld für seine Arbeit versprechen kann, erklärt er sich bereit, die Musik für unser Projekt beizusteuern. Jetzt sind wir komplett.

Geplant ist ein 12 bis 15 Minuten langer Dokumentarfilm für die Vorführung bei Festivals und zur Online-Veröffentlichung. Budget haben wir keines, leider ist es uns nicht gelungen, Kooperationspartner für unser Projekt zu finden.

Interessehalber habe ich die Kosten für diese Produktion durchgerechnet. Inklusive dem Lohn für die Beteiligten an dem Dokumentarfilm komme ich auf ein Budget von 38.000,- Euro, wobei alleine die Spesen für die Produktion 7.000,- Euro ausmachen. Diese 7.000,- fallen ohnehin an, aber wir sind überzeugt davon, diese Geld in ein tolles Projekt zu investieren.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, und so hoffen wir weiterhin, noch den einen oder anderen Kooperationspartner zu finden.

Ich sitze derzeit beim Schnitt und arbeite mich durch 18 Stunden und 30 Minuten Filmmaterial. Es gilt, die besten 12 Minuten davon zu finden…

Die spektakulären Drohnenbilder und aussagekräftige Aufnahmen aus der Wand und von der faszinierenden Verdonschlucht fesseln und machen die Auswahl schwer. Jedoch sind es die Interviews, die mir ein wenig Kopfzerbrechen bereiten. Im Interview erzählt Stefan Glowacz von seinen ersten Kontakten mit der Verdonschlucht, von Kut Albert, der ihn auf den Pfeiler aufmerksam gemacht hat, von der Entstehung der Tour, in der sich Kampf, Frustration, Freude und Erfolg abgewechselt haben.
Tobias und Christoph erleben ihre Begehungen mit einem Glänzen in den Augen ein weiteres Mal und Barbara und Jacopo berichten fasziniert von ihren Erfahrungen in der Tour und der gemeinsamen Verdon-Zeit mit Tobias und Christoph. Je länger ich zuhöre, desto mehr glaube ich, dass ohne Weiteres 45 bis 60 äußerst interessante und kurzweilige Minuten daraus werden könnten. Naja, diesmal wohl nicht, vielleicht finden wir für das nächste Projekt Partner die erkennen, wie wertvoll für sie eine Zusammenarbeit mit uns sein kann…

Jetzt aber, Schere nachschärfen und weiter schneiden!!

NEPAL_helfen

NEPAL_helfenDas Erdbeben in Nepal hat die ganze Welt erschüttert. Große Teile eines der ärmsten Länder der Welt sind zerstört, die Be
völkerung ist auf nationale und internationale Hilfe angewiesen.

Nicht nur, wenn man das Land und die Menschen bei Trekkingtouren oder Expeditionen kennengelernt hat, will man helfen.
Neben Lebensmitteln und Mittel zur Wasseraufbereitung werden vor allem Zelte und Planen benötigt, denn bald beginnt die Monsunzeit und Notunterkünfte müssen gebaut und beschädigte Häuser repariert werden.

Material ins Land zu schicken ist logistisch sehr schwierig und die Wahrscheinlichkeit, dass die Sachen sehr spät oder gar nicht ankommen, sehr hoch. Deshalb bitten sowohl die großen, internationalen, als auch die kleinen Hilfsorganisationen um Geldspenden.
Es gibt unterschiedliche Meldungen darüber, dass Spendengelder von der nepalesischen Regierung eingezogen werden, dies trifft jedoch nur teilweise zu.
Will man sicher gehen, dass die Spenden auch wie gewünscht ankommen, sollten Hilfsorganisationen unterstützt werden, die seit mehreren Jahren in Nepal etabliert und registriert sind und zusätzlich über eine eigene Infrastruktur im Land verfügen.

Ein großer Teil der nepalesischen Bevölkerung lebt vom Tourismus, weshalb ein Einbruch in diesem Bereich vor allem längerfristig schwerwiegende Folgen haben wird. Es gibt viele landschaftlich und kulturell faszinierende Gebiete, die nicht oder kaum vom Erdbeben betroffen sind. Die meisten Hotels in Kathmandu, die von westlichen Touristen frequentiert werden sind durch das Beben nicht oder kaum in Mitleidenschaft gezogen worden und warten auf Gäste. Der Wiederaufbau im Solukhumbu und in anderen Regionen wird in den kommenden Monaten weit voranschreiten.
Alle die in Nepal unterwegs waren durften feststellen, dass manche Probleme, die uns Europäern fast unüberwindbar vorkamen, bei den Nepalis kaum ein Stirnrunzeln bewirkt haben und umgehend aus dem Weg geräumt wurden. So wird es auch nach dieser Katastrophe sein.

Träger, Köche, Hotels, Lodges, Restaurants, Trekkingguides, Straßenverkäufer, Taxifahrer, Handwerker etc. sind mehr denn je auf die Einnahmen der kommenden Herbst- und Frühjahrssaisonen angewiesen.

Wir dürfen die Reisedestination Nepal nicht vergessen! Wenn das Zielland für die nächste Trekkingtour oder Expedition noch nicht feststeht, entscheidet euch für NEPAL und macht bei Bekannten und Freunden Werbung für dieses wunderbare Land, seine unvergleichliche Natur, seine einmalige Kultur, seine köstliche Küche und die freundlichen, hilfsbereiten Menschen!

Llegué..

Angekommen…
…in Ecuador, im neuen Jahr, in den Bergen. Die Überschrift habe ich schon vor mehr als einer Woche geschrieben, sie stimmt noch immer, nur, dass ich mich schon langsam darauf vorbereiten sollte, an den Abschied denken zu müssen. Noch ist es aber nicht soweit.

Wir beginnen im letzten Jahr, bei meiner Landung in dem Land, das den Namen der längsten Geraden auf der Weltkarte trägt. Ein tüchtiger Taxifahrer, der mir mit einer gedruckten Liste beweisen konnte, dass der Fahrpreis zur Calle Buganvillas doch erheblich höher ist als mir gesagt wurde, hat sich meiner angenommen. Ziel war das Haus von Chris, die mir in Ecuador Obdach, Unterhaltung, Verpflegung, Transport, Kontakte und vieles mehr gewährt. Gefunden haben wir das Haus nicht, auch dass ich Straße, Hausnummer, angrenzende Straßennamen und Einrichtungen, Namen von Chris, ihrem Sohn Loran, dem Hund Pluto, der Nachbarin und des Wachtmannes kannte, half nichts. Der fleißige Taxifahrer hat dann gemeint, dass er schon lange genug gesucht und für den verlangten Preis schon mehr als genug Zeit und Sprit investiert habe. Nachdem er und sämtliche Gefragten unbeirrt behauptet hatten, dass es nur eine Calle Buganvillas in Tumbaco bei Quito gibt, habe ich meine 40 Kilo Gepäck geschultert und mich alleine auf die Suche gemacht. Das Fragen von Passanten, Arbeitern und Bewohnern war mal weniger, mal mehr erfolgreich. Wenige kannten Chris, und die, die sie kannten waren sich nicht einig, in welchem der Häuser sie wohnt. Egal, denn keines der genannten war das richtige. Mein Handy nutzte nichts, da sich mein österreichischer Netzbetreiber nicht die Mühe gemacht hat, einen Partner in Ecuador zu suchen. Doch es gab da was, das ich noch nicht probiert hatte. Ich kannte den Namen des WiFi-Netzwerkes im Haus. Das könnte helfen. Also bin ich mit dem Handy in der Hand ein weiteres Mal durch die Straßen marschiert und habe den Äther nach Signalen mit dem Namen „Christine“ abgesucht. Naja, geholfen hat das Alles nichts. Schlussendlich hat sich ein netter Anrainer der Calle Buganvillas meiner erbarmt (ich wusste ja schon von damals, dass Bougainvilleans sehr hilfsbereit sind), Chris angerufen, erfahren, dass es doch noch eine zweite Straße mit dem selben Namen gibt und mich dort hin gebracht. Danke.

Es folgte ein Tag der Eingewöhnung, und dann ging es los mit den Bergen.
Zu Silvester starteten wir zum Vulkan Quilotoa, der eine beeindruckende, drei Kilometer große Caldera mit einem grünen Kratersee hat. Aber zuerst galt es das Jahr abzuschließen. Und das macht man am besten im Zelt. Nach dem gemütlich Abendessen kam erst ein Gläschen Wein und dann das neue Jahr. Mit ihm auch ein paar Stunden Schlaf, dann ein Frühstück und in weiterer Folge die Wanderung um die Caldera. Als herausragende bergsteigerische Leistung kann die Besteigung und Umrundung des Quilotoa nicht bezeichnet werden, führt doch eine Straße bis zum Kraterrand. Der Spaziergang auf 3.914 Metern und darunter eignet sich jedoch sehr gut zum Re-akklimatisieren.
Am Abend des ersten Tages im Jahr fuhren wir dann zum Hausberg von Quito. An den Hängen des mit 4.794 m höheren Gipfels mit dem Namen Guagua Pichincha befindet sich ein Refugio, von dem aus wir am zweiten Jänner auf den Gipfel gegangen sind.

Danach wurde es langsam Zeit für eine Dusche, darum ging es kurz nach Hause, und dann mit neu gefülltem Rucksack zum Klettergarten Sigsipamba. Wieder war das Zelt unser Zuhause.
Gegen Mittag des dritten Jänner wurde es uns zu warm zum Klettern und wir tauschten Kletterschuhe gegen Bergschuhe und Chalkbag gegen Handschuhe und fuhren zu den Illinizas. Gegen Mitternacht war das Zelt auf 4.740 m aufgebaut und das Abendessen gekocht. Wegen dem nicht allzu guten Wetter entschieden wir am folgenden Morgen den leichteren und mit 5.126 m niedrigeren Illiniza Norte anzugehen. Der Nebel machte den Ausblick vom Gipfel eher unspektakulär, die Stimmung am höchsten Punkt war jedoch umso fantastischer. Wir nahmen uns vor, für den Ausblick und für den Illiniza Sur wieder zu kommen und fuhren zurück nach Quito/Tumbaco.

Nun war erstmal ein Ruhetag geplant. Doch an diesem ergab sich für mich die Möglichkeit mit Gaspar, einem ecuadorianischen Bergführer, und seinen Freunden zum Cotopaxi zu fahren. Sowas lässt man sich nicht entgehen und deshalb gab es wieder eine Nacht im Zelt, diesmal am Fuße des zweithöchsten Berges im Land. Naja, Nacht kann man zu den zwei Stunden dösen vor elf Uhr abends auch nicht sagen, denn dann wurde „gefrühstückt“ und es ging los Richtung Gipfel. Dass ich mich als Bergführer betätigen werde wusste ich nicht, doch es kam so, vom Schuhe Binden bis hin zur Motivation zum großen Schritt über die Gletscherspalte. Auch schön, und nachdem sich Ruben für die frühzeitige Rückkehr zum Auto entschlossen hatte stand ich am Morgen des sechsten Tages im Jahr mit Claudia am Gipfel auf 5.897 m.

Der folgende Ruhetag war wichtig, vor allem weil es mit der sauberen Wäsche langsam knapp wurde. Dieses Problem wurde angegangen und dann auch gleich der Rucksack für den Carihuairazo, den nächsten 5.000er, gepackt. Der Nachbar vom Chimborazo war aber eher schüchtern, er wollte sich nicht einmal für einen kurzen Moment zeigen, und nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, verdarb er uns die Freude mit einer verregneten Nacht.
Chris und ich haben überlegt, was erfahrene Bergsteiger in einer solchen Situation machen müssen. Nach wenigen Minuten sind wir beide zum selben Schluss gekommen: die nächsten Tage am Strand zu verbringen. So haben wir das nasse Zelt wieder abgebaut und uns auf den Rückweg gemacht. Die nun schlammige Straße war sogar für den Land Cruiser eine Herausforderung.

Noch am selben Abend sind Chris, Loran und ich zur Küste nach Esmeraldas aufgebrochen. Wie auch schon früher habe ich gerne für einen Teil der Strecke am Fahrersitz Platz genommen. Als wir gegen ein Uhr nachts auf eine Polizeikontrolle trafen kam das schlechte Gewissen, weil ich doch keinen Führerschein dabei hatte. Aber kein Problem, denn der LKW vor uns versperrte dem kontollierenden Beamten die Sicht auf uns, und Chris und ich konnten schnell die Plätze tauschen. Jetzt ist es aber so, dass auch in Ecuador die Polizei immer paarweise auftritt, und der andere Gesetzteshüter hatte sich ganz raffiniert im Schatten versteckt und die Rochade beobachtet. Natürlich wurden wir nun kontrolliert und entsprechend gerügt. Fahren ohne Führerschein ist nicht gern gesehen, das bedeutet mindestens eine Geldstrafe von 680 Dollar und zusätzlich 8 Tage Gefängnis. Nach einer halbe Stunde sehr geschickter Verhandlungen von Chris („Nein, Stefan kann nicht ins Gefängnis, er hat in ein paar Tagen seinen Rückflug … Nein, wir haben nicht mehr Geld, und die Bankomaten funktionieren nur bis Mitternacht … Jetzt kommt der arme Tourist zum ersten Mal nach Ecuador, und dann dies, was macht das für ein Bild?“) und äußerst fairen 15 Dollar Trinkgeld hat sich das Problem erledigt und wir konnten weiter fahren.

Die kommenden zwei Tage waren sehr erholsam, Sonne, Sand und Meer für die Seele, Langusten, Garnelen, Muscheln, Fisch, güldene Elektrolytgetränke und Agua de Coco für den Körper. Um uns beim nach-Hause-Fahren trotz meinem fehlendem Führerschein hinter dem Steuer abwechseln zu können, sind wir kurz bei einem Internet-Cafe stehen geblieben, ich habe mir meinen gescannten Führerschein ausgedruckt und schon hatten wir eine neue Verhandlungsgrundlage für eventuelle Diskussionen bei Polzeikontrollen.

Vor wenigen Tagen zog es uns dann wieder in die Berge, mit dem Illiniza Sur als Ziel. Beim Aufstieg zur Hütte, diesmal sind wir zumindest bei Tageslicht gestartet, sahen wir zum ersten Mal die beiden Gipfel, der sternenklare Nachthimmel versprach gutes Wetter für den kommenden Tag. Doch irgendwie wollte es nicht klappen, Probleme mit Steigeisen, mit kalten Zehen etc. haben uns frühzeitig umdrehen lassen.
Ja, aller guten Dinge sind drei. Wir werden wieder kommen.

Weitere Bergpläne sind derzeit auf Eis gelegt, ein regelmäßig wiederkehrendes, bestimmtes Bedürfnis, dem Lokus nicht allzu fern zu sein geben mir die Möglichkeit, diese Zeilen zu schreiben. Dass sich das Wetter auch nicht von der besten Seite zeigt ist ganz gut und hält das Bergsteiger-Gewissen ruhig.
In der Gegend befinden sich zwei überdachte Boulder- und Kletteranlagen mit einwandfreien Sanitäranlagen, es wird also nicht langweilig…

Liebe Menschen, ich will eigentlich nicht politisch werden, mein Schlusswort geht aber ein wenig in diese Richtung:
Ich weiß ja nicht genau, was sich bei euch in Europa so abspielt, aber, ihr wollt ernsthaft meine Kreditkartennummer und Essenswünsche speichern, sobald ich einen Flug buche und damit den Terrorismus unter Kontrolle bringen?

Also, liebe Daheimgebliebenen, mal ehrlich, ist das nicht so wie wenn ich mir auf den großen Zeh pinkle und dabei behaupte, dass ich dadurch bei der Mittwochsziehung den Lotto-Sechser machen werde?
Schon ein bisschen abstrus, nicht?

„Roca y Vino“ statt „Hielo y Infusiones“

Klettern San FelipeEigentlich hatte ich mich auf steiles Eis und abendlichen Kräutertee eingestellt, gekommen ist es anders. Die Alternative, Fels und Wein, hat auch was.

Am ersten Zeltmorgen am am Fuße des Volcán San José hat mir Carlos aus San Felipe Gesellschaft geleistet. Und wie es so ist unter Bergsteigern die sich in den Bergen treffen, haben wir von Bergen geredet. Und über Touren in den Bergen, über die jeweilige Vorlieben und Erfahrungen in den Bergen, und schlussendlich auch darüber, dass man ja zusammen mal in die Berge gehen könnte. Wir haben uns auf das Wochenende vor Weihnachten und die schönen Eisanstiege am Cerro Tolosa in Argentinien entschieden. Ich bin dann den Berg hinauf und Carlos ist den Berg hinunter.

Nach meiner Rückkehr vom Volcán San José ist es dann aber anders gekommen als geplant. Der argentinische Charly Gabl hat für das Wochenende Sturm und Schnee prophezeit und wir haben uns entschieden statt ins alpine Eis an die sportlichen Felsen zu gehen. Die zwei Tage in den perfekt eingerichteten Klettergärten rund um San Felipe und Los Andes haben sehr viel Lust auf mehr chilenischen Fels gemacht.

Doch eigentlich wollte ich ja noch nach Ecuador, um dort mit Chris in die Berge zu gehen. Die netten Menschen der internationalen Busgesellschaften am „Terminal Estación Central“ in Santiago haben mir dann aber erklärt, dass Südamerika schon ziemlich groß ist, und dass man ein paar Tage unterwegs ist, auch wenn man nur den halben Kontinent der Länge nach durchqueren will. Der Direktbus von Santiago nach Quito fährt fünf Tage lang duch Chile, Peru und den Süden Ecuadors.
Das Internet hat mir dann erzählt, dass ein Flugzeug, auch wenn es erst nach Panama will, nur einen halben Tag unterwegs ist und ungefähr gleichviel kostet. Ich habe auf den Boden geschaut, meinen ökologischen Fußabdruck wachsen gesehen und auf „Buchen“ geklickt.

Um den Schaden an der Umwelt nicht noch weiter zu vergrößern habe ich mir vorgenommen, bis zu meinem Abflug am 28. nicht mehr allzu viel zu reisen und mich von regionalen Produkten zu ernähren. So habe ich den Bus nach Valparaíso genommen, wo ich zwischen den Kletter- und Bouldereinheiten den Wein aus den hiesigen Anbaugebieten und das Fleisch von chilenischen Bio-Kühen genieße.