NEPAL_helfen

NEPAL_helfenDas Erdbeben in Nepal hat die ganze Welt erschüttert. Große Teile eines der ärmsten Länder der Welt sind zerstört, die Bevölkerung ist auf nationale und internationale Hilfe angewiesen.

Nicht nur, wenn man das Land und die Menschen bei Trekkingtouren oder Expeditionen kennengelernt hat, will man helfen.
Neben Lebensmitteln und Mittel zur Wasseraufbereitung werden vor allem Zelte und Planen benötigt, denn bald beginnt die Monsunzeit und Notunterkünfte müssen gebaut und beschädigte Häuser repariert werden.

Material ins Land zu schicken ist logistisch sehr schwierig und die Wahrscheinlichkeit, dass die Sachen sehr spät oder gar nicht ankommen, sehr hoch. Deshalb bitten sowohl die großen, internationalen, als auch die kleinen Hilfsorganisationen um Geldspenden.
Es gibt unterschiedliche Meldungen darüber, dass Spendengelder von der nepalesischen Regierung eingezogen werden, dies trifft jedoch nur teilweise zu.
Will man sicher gehen, dass die Spenden auch wie gewünscht ankommen, sollten Hilfsorganisationen unterstützt werden, die seit mehreren Jahren in Nepal etabliert und registriert sind und zusätzlich über eine eigene Infrastruktur im Land verfügen.

Ein großer Teil der nepalesischen Bevölkerung lebt vom Tourismus, weshalb ein Einbruch in diesem Bereich vor allem längerfristig schwerwiegende Folgen haben wird. Es gibt viele landschaftlich und kulturell faszinierende Gebiete, die nicht oder kaum vom Erdbeben betroffen sind. Die meisten Hotels in Kathmandu, die von westlichen Touristen frequentiert werden sind durch das Beben nicht oder kaum in Mitleidenschaft gezogen worden und warten auf Gäste. Der Wiederaufbau im Solukhumbu und in anderen Regionen wird in den kommenden Monaten weit voranschreiten.
Alle die in Nepal unterwegs waren durften feststellen, dass manche Probleme, die uns Europäern fast unüberwindbar vorkamen, bei den Nepalis kaum ein Stirnrunzeln bewirkt haben und umgehend aus dem Weg geräumt wurden. So wird es auch nach dieser Katastrophe sein.

Träger, Köche, Hotels, Lodges, Restaurants, Trekkingguides, Straßenverkäufer, Taxifahrer, Handwerker etc. sind mehr denn je auf die Einnahmen der kommenden Herbst- und Frühjahrssaisonen angewiesen.

Wir dürfen die Reisedestination Nepal nicht vergessen! Wenn das Zielland für die nächste Trekkingtour oder Expedition noch nicht feststeht, entscheidet euch für NEPAL und macht bei Bekannten und Freunden Werbung für dieses wunderbare Land, seine unvergleichliche Natur, seine einmalige Kultur, seine köstliche Küche und die freundlichen, hilfsbereiten Menschen!

Llegué..

Angekommen…
…in Ecuador, im neuen Jahr, in den Bergen. Die Überschrift habe ich schon vor mehr als einer Woche geschrieben, sie stimmt noch immer, nur, dass ich mich schon langsam darauf vorbereiten sollte, an den Abschied denken zu müssen. Noch ist es aber nicht soweit.

Wir beginnen im letzten Jahr, bei meiner Landung in dem Land, das den Namen der längsten Geraden auf der Weltkarte trägt. Ein tüchtiger Taxifahrer, der mir mit einer gedruckten Liste beweisen konnte, dass der Fahrpreis zur Calle Buganvillas doch erheblich höher ist als mir gesagt wurde, hat sich meiner angenommen. Ziel war das Haus von Chris, die mir in Ecuador Obdach, Unterhaltung, Verpflegung, Transport, Kontakte und vieles mehr gewährt. Gefunden haben wir das Haus nicht, auch dass ich Straße, Hausnummer, angrenzende Straßennamen und Einrichtungen, Namen von Chris, ihrem Sohn Loran, dem Hund Pluto, der Nachbarin und des Wachtmannes kannte, half nichts. Der fleißige Taxifahrer hat dann gemeint, dass er schon lange genug gesucht und für den verlangten Preis schon mehr als genug Zeit und Sprit investiert habe. Nachdem er und sämtliche Gefragten unbeirrt behauptet hatten, dass es nur eine Calle Buganvillas in Tumbaco bei Quito gibt, habe ich meine 40 Kilo Gepäck geschultert und mich alleine auf die Suche gemacht. Das Fragen von Passanten, Arbeitern und Bewohnern war mal weniger, mal mehr erfolgreich. Wenige kannten Chris, und die, die sie kannten waren sich nicht einig, in welchem der Häuser sie wohnt. Egal, denn keines der genannten war das richtige. Mein Handy nutzte nichts, da sich mein österreichischer Netzbetreiber nicht die Mühe gemacht hat, einen Partner in Ecuador zu suchen. Doch es gab da was, das ich noch nicht probiert hatte. Ich kannte den Namen des WiFi-Netzwerkes im Haus. Das könnte helfen. Also bin ich mit dem Handy in der Hand ein weiteres Mal durch die Straßen marschiert und habe den Äther nach Signalen mit dem Namen „Christine“ abgesucht. Naja, geholfen hat das Alles nichts. Schlussendlich hat sich ein netter Anrainer der Calle Buganvillas meiner erbarmt (ich wusste ja schon von damals, dass Bougainvilleans sehr hilfsbereit sind), Chris angerufen, erfahren, dass es doch noch eine zweite Straße mit dem selben Namen gibt und mich dort hin gebracht. Danke.

Es folgte ein Tag der Eingewöhnung, und dann ging es los mit den Bergen.
Zu Silvester starteten wir zum Vulkan Quilotoa, der eine beeindruckende, drei Kilometer große Caldera mit einem grünen Kratersee hat. Aber zuerst galt es das Jahr abzuschließen. Und das macht man am besten im Zelt. Nach dem gemütlich Abendessen kam erst ein Gläschen Wein und dann das neue Jahr. Mit ihm auch ein paar Stunden Schlaf, dann ein Frühstück und in weiterer Folge die Wanderung um die Caldera. Als herausragende bergsteigerische Leistung kann die Besteigung und Umrundung des Quilotoa nicht bezeichnet werden, führt doch eine Straße bis zum Kraterrand. Der Spaziergang auf 3.914 Metern und darunter eignet sich jedoch sehr gut zum Re-akklimatisieren.
Am Abend des ersten Tages im Jahr fuhren wir dann zum Hausberg von Quito. An den Hängen des mit 4.794 m höheren Gipfels mit dem Namen Guagua Pichincha befindet sich ein Refugio, von dem aus wir am zweiten Jänner auf den Gipfel gegangen sind.

Danach wurde es langsam Zeit für eine Dusche, darum ging es kurz nach Hause, und dann mit neu gefülltem Rucksack zum Klettergarten Sigsipamba. Wieder war das Zelt unser Zuhause.
Gegen Mittag des dritten Jänner wurde es uns zu warm zum Klettern und wir tauschten Kletterschuhe gegen Bergschuhe und Chalkbag gegen Handschuhe und fuhren zu den Illinizas. Gegen Mitternacht war das Zelt auf 4.740 m aufgebaut und das Abendessen gekocht. Wegen dem nicht allzu guten Wetter entschieden wir am folgenden Morgen den leichteren und mit 5.126 m niedrigeren Illiniza Norte anzugehen. Der Nebel machte den Ausblick vom Gipfel eher unspektakulär, die Stimmung am höchsten Punkt war jedoch umso fantastischer. Wir nahmen uns vor, für den Ausblick und für den Illiniza Sur wieder zu kommen und fuhren zurück nach Quito/Tumbaco.

Nun war erstmal ein Ruhetag geplant. Doch an diesem ergab sich für mich die Möglichkeit mit Gaspar, einem ecuadorianischen Bergführer, und seinen Freunden zum Cotopaxi zu fahren. Sowas lässt man sich nicht entgehen und deshalb gab es wieder eine Nacht im Zelt, diesmal am Fuße des zweithöchsten Berges im Land. Naja, Nacht kann man zu den zwei Stunden dösen vor elf Uhr abends auch nicht sagen, denn dann wurde „gefrühstückt“ und es ging los Richtung Gipfel. Dass ich mich als Bergführer betätigen werde wusste ich nicht, doch es kam so, vom Schuhe Binden bis hin zur Motivation zum großen Schritt über die Gletscherspalte. Auch schön, und nachdem sich Ruben für die frühzeitige Rückkehr zum Auto entschlossen hatte stand ich am Morgen des sechsten Tages im Jahr mit Claudia am Gipfel auf 5.897 m.

Der folgende Ruhetag war wichtig, vor allem weil es mit der sauberen Wäsche langsam knapp wurde. Dieses Problem wurde angegangen und dann auch gleich der Rucksack für den Carihuairazo, den nächsten 5.000er, gepackt. Der Nachbar vom Chimborazo war aber eher schüchtern, er wollte sich nicht einmal für einen kurzen Moment zeigen, und nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, verdarb er uns die Freude mit einer verregneten Nacht.
Chris und ich haben überlegt, was erfahrene Bergsteiger in einer solchen Situation machen müssen. Nach wenigen Minuten sind wir beide zum selben Schluss gekommen: die nächsten Tage am Strand zu verbringen. So haben wir das nasse Zelt wieder abgebaut und uns auf den Rückweg gemacht. Die nun schlammige Straße war sogar für den Land Cruiser eine Herausforderung.

Noch am selben Abend sind Chris, Loran und ich zur Küste nach Esmeraldas aufgebrochen. Wie auch schon früher habe ich gerne für einen Teil der Strecke am Fahrersitz Platz genommen. Als wir gegen ein Uhr nachts auf eine Polizeikontrolle trafen kam das schlechte Gewissen, weil ich doch keinen Führerschein dabei hatte. Aber kein Problem, denn der LKW vor uns versperrte dem kontollierenden Beamten die Sicht auf uns, und Chris und ich konnten schnell die Plätze tauschen. Jetzt ist es aber so, dass auch in Ecuador die Polizei immer paarweise auftritt, und der andere Gesetzteshüter hatte sich ganz raffiniert im Schatten versteckt und die Rochade beobachtet. Natürlich wurden wir nun kontrolliert und entsprechend gerügt. Fahren ohne Führerschein ist nicht gern gesehen, das bedeutet mindestens eine Geldstrafe von 680 Dollar und zusätzlich 8 Tage Gefängnis. Nach einer halbe Stunde sehr geschickter Verhandlungen von Chris („Nein, Stefan kann nicht ins Gefängnis, er hat in ein paar Tagen seinen Rückflug … Nein, wir haben nicht mehr Geld, und die Bankomaten funktionieren nur bis Mitternacht … Jetzt kommt der arme Tourist zum ersten Mal nach Ecuador, und dann dies, was macht das für ein Bild?“) und äußerst fairen 15 Dollar Trinkgeld hat sich das Problem erledigt und wir konnten weiter fahren.

Die kommenden zwei Tage waren sehr erholsam, Sonne, Sand und Meer für die Seele, Langusten, Garnelen, Muscheln, Fisch, güldene Elektrolytgetränke und Agua de Coco für den Körper. Um uns beim nach-Hause-Fahren trotz meinem fehlendem Führerschein hinter dem Steuer abwechseln zu können, sind wir kurz bei einem Internet-Cafe stehen geblieben, ich habe mir meinen gescannten Führerschein ausgedruckt und schon hatten wir eine neue Verhandlungsgrundlage für eventuelle Diskussionen bei Polzeikontrollen.

Vor wenigen Tagen zog es uns dann wieder in die Berge, mit dem Illiniza Sur als Ziel. Beim Aufstieg zur Hütte, diesmal sind wir zumindest bei Tageslicht gestartet, sahen wir zum ersten Mal die beiden Gipfel, der sternenklare Nachthimmel versprach gutes Wetter für den kommenden Tag. Doch irgendwie wollte es nicht klappen, Probleme mit Steigeisen, mit kalten Zehen etc. haben uns frühzeitig umdrehen lassen.
Ja, aller guten Dinge sind drei. Wir werden wieder kommen.

Weitere Bergpläne sind derzeit auf Eis gelegt, ein regelmäßig wiederkehrendes, bestimmtes Bedürfnis, dem Lokus nicht allzu fern zu sein geben mir die Möglichkeit, diese Zeilen zu schreiben. Dass sich das Wetter auch nicht von der besten Seite zeigt ist ganz gut und hält das Bergsteiger-Gewissen ruhig.
In der Gegend befinden sich zwei überdachte Boulder- und Kletteranlagen mit einwandfreien Sanitäranlagen, es wird also nicht langweilig…

Liebe Menschen, ich will eigentlich nicht politisch werden, mein Schlusswort geht aber ein wenig in diese Richtung:
Ich weiß ja nicht genau, was sich bei euch in Europa so abspielt, aber, ihr wollt ernsthaft meine Kreditkartennummer und Essenswünsche speichern, sobald ich einen Flug buche und damit den Terrorismus unter Kontrolle bringen?

Also, liebe Daheimgebliebenen, mal ehrlich, ist das nicht so wie wenn ich mir auf den großen Zeh pinkle und dabei behaupte, dass ich dadurch bei der Mittwochsziehung den Lotto-Sechser machen werde?
Schon ein bisschen abstrus, nicht?

„Roca y Vino“ statt „Hielo y Infusiones“

Klettern San FelipeEigentlich hatte ich mich auf steiles Eis und abendlichen Kräutertee eingestellt, gekommen ist es anders. Die Alternative, Fels und Wein, hat auch was.

Am ersten Zeltmorgen am am Fuße des Volcán San José hat mir Carlos aus San Felipe Gesellschaft geleistet. Und wie es so ist unter Bergsteigern die sich in den Bergen treffen, haben wir von Bergen geredet. Und über Touren in den Bergen, über die jeweilige Vorlieben und Erfahrungen in den Bergen, und schlussendlich auch darüber, dass man ja zusammen mal in die Berge gehen könnte. Wir haben uns auf das Wochenende vor Weihnachten und die schönen Eisanstiege am Cerro Tolosa in Argentinien entschieden. Ich bin dann den Berg hinauf und Carlos ist den Berg hinunter.

Nach meiner Rückkehr vom Volcán San José ist es dann aber anders gekommen als geplant. Der argentinische Charly Gabl hat für das Wochenende Sturm und Schnee prophezeit und wir haben uns entschieden statt ins alpine Eis an die sportlichen Felsen zu gehen. Die zwei Tage in den perfekt eingerichteten Klettergärten rund um San Felipe und Los Andes haben sehr viel Lust auf mehr chilenischen Fels gemacht.

Doch eigentlich wollte ich ja noch nach Ecuador, um dort mit Chris in die Berge zu gehen. Die netten Menschen der internationalen Busgesellschaften am „Terminal Estación Central“ in Santiago haben mir dann aber erklärt, dass Südamerika schon ziemlich groß ist, und dass man ein paar Tage unterwegs ist, auch wenn man nur den halben Kontinent der Länge nach durchqueren will. Der Direktbus von Santiago nach Quito fährt fünf Tage lang duch Chile, Peru und den Süden Ecuadors.
Das Internet hat mir dann erzählt, dass ein Flugzeug, auch wenn es erst nach Panama will, nur einen halben Tag unterwegs ist und ungefähr gleichviel kostet. Ich habe auf den Boden geschaut, meinen ökologischen Fußabdruck wachsen gesehen und auf „Buchen“ geklickt.

Um den Schaden an der Umwelt nicht noch weiter zu vergrößern habe ich mir vorgenommen, bis zu meinem Abflug am 28. nicht mehr allzu viel zu reisen und mich von regionalen Produkten zu ernähren. So habe ich den Bus nach Valparaíso genommen, wo ich zwischen den Kletter- und Bouldereinheiten den Wein aus den hiesigen Anbaugebieten und das Fleisch von chilenischen Bio-Kühen genieße.

Volcán San José (5.856 m)

Dass das Bergsteigen ein Auf und Ab sein kann, auch wenn es stets hinauf geht, durfte ich letzte Woche erfahren.

Vor genau einer Woche bin ich nach Baños Morales gefahren, einem verschlafenen Nest im Cajón del Maipo. Nach einer erholsamen Nacht auf angenehmen 1.830 m ging es am Sonntag in der Früh los. Der Anfang der Tour ist ein bisschen frustrierend, da die ersten sechs Kilometer problemlos mit dem Auto bewältigt werden könnten, wenn man denn eines hätte. Aber es hat auch ohne geklappt. Neben dem (natürlich unbewirteten) Refugio Plantat auf 3.130 m entstand mein erstes Lager, und die ersten Zweifel machten sich bei mir im Zelt breit. Platz war ja genug da.

Ich bin mir vorgekommen wie jemand, der noch nie in den Bergen war, ich hatte frische Blasen an den Füßen, die Schultern schmerzten vom viel zu schweren Rucksack und die Motivation weiter zu gehen war nicht allzu groß. Ich entschied, sollten es die lädierten Sohlen zulassen, am kommenden Tag noch ein paar hundert Meter aufzusteigen, eine weitere Nacht im Zelt zu verbringen, dann wieder nach Baños Morales abzusteigen, ein Teil des sinnlosen Gepäcks dort zu lassen (wer kommt auch auf die Idee, E-Reader, Stativ, drei Objektive und noch mehr so Zeugs am Berg zu brauchen??), einen Tag zu entspannen, und dann noch einmal aufzubrechen.

Doch der kommende Tag war dann doch anders. Beim Aufstehen war das Wetter gut, beim Morgen-Kaffee hat mir Carlos aus San Filipe Gesellschaft geleistet, und meine nachhaltige und radikale Blasen-Drainage hat besser funktioniert als erhofft. Vielleicht klappt es ja doch wie ursprünglich geplant? Zirka fünf Kilogramm unnützes Gepäck wurde in einer Felsspalte vergraben, mit Steinmännchen und GPS markiert und los ging es über Schotter, Schnee und durch schöne Büßereisfelder. Auf 4.350 m entstand mein zweites Camp. Bergsteigen kann schon auch Spaß machen. Dass mir ein von oben kommender Bergsteiger gesagt hat, dass das Wetter schlecht werden soll und ich der einzige auf dem Weg nach oben war konnte mir die Freude nicht nehmen.

Hier muss gesagt werden, dass der Volcán San José ein beliebter und vor allem von den vielen chilenischen Bergsteigern oft begangener Berg ist. Auf dem Normalweg technisch leicht, die einzigen Schwierigkeiten sind Höhe, die 4.000 Höhenmeter zwischen Startpunkt und Gipfel sowie Wind und Temperaturen. Ideal zum Akklimatisieren.

Am Dienstag war das Wetter bestens, der weitere Aufstieg durch schöne Büßereisfelder problemlos und das dritte Camp auf 4.930 m perfekt gelegen. Ich war zuversichtlich für die letzten 900 Höhenmeter am kommenden Tag. Um 4:30 Uhr läutete der Wecker das erste Mal, nach einem gemütlichen Tee und Nudelsuppen-Frühstück ging es um kurz nach 6 Uhr bei frischen -9 °C und im ersten Tageslicht los. Je höher ich kam, desto kälter wurde es und umso stärker der Wind. Besonders die letzten 300 Höhenmeter hatten es in sich. Nebel und Wolken haben die Sonne ferngehalten, die Luft ist auf -17 °C abgekühlt und der Wind war so stark, dass ich mich nur in Schräglage fortbewegen konnte und meine Finger trotz der wärmsten Handschuhe, die ich dabei hatte, langsam unangenehm kalt wurden. Am Kraterrand auf knapp über 5.800 m fühlte ich mich wie 8 Jahre zuvor, als ich an genau der Stelle umgedreht bin. Der Hauptgipfel liegt genau auf der anderen Seite des Kraters und nach einem kurzen Check (Füße: warm. Finger: geht. Nase: geht. Kopf: tut weh, aber gut) nahm ich die letzte Etappe in Angriff.

Der Wind hat in drei verschiedenen Stärken geblasen.
Stärke 1: die Grundstufe. Fortbewegung in Schräglage möglich.
Stärke 2: 20 bis 30 Sekunden andauernder sehr starker Wind. Fortbewegung nicht möglich.
Stärke 3: kurze Böen, die einen aus dem Stand um einige Meter versetzen. Ducken ist angesagt, und aufpassen, dass man nicht in de

n Krater oder nach Argentinien geblasen wird.

Kurz nach 10 Uhr, nach 4 Stunden Aufstieg, erreichte ich den Hauptgipfel und ich habe mich erstmal flach auf den Boden gelegt, um kurz durchatmen und meine Hände aufwärmen zu können. Dann auf, ein paar Fotos schießen und wieder zurück zum Zelt. Mehr an Gipfelrast war nicht möglich und auch nicht notwendig, denn mein Tee war eh schon zu Eis erstarrt.

So starker Wind hat auch seine Vorteile. Vor allem im Abstieg, wenn er dirket von vorne kommt. Für alle, die einmal in einer sochen Situation sind, hier ein kleiner Tipp: Am besten geht man wie ein Skispringer in die Abfahrtshockey, die Hände in den windgeschützten Bereich unter dem Rucksack, Oberkörper nach vorne, und schon müssen die Füße nur noch mit einem leichten Impuls abwechslungsweise nach vorne geschleudert werden. Das Gewicht von Oberkörper und Rucksack wird zur Gänze vom Wind getragen.

Trotz dieser wunderbaren Technik war ich ziemlich fertig, als ich beim Zelt angekommen bin. Schwer konnte ich mich motivieren Tee zu kochen und etwas zu essen. Doch ein bisschen Schlaf, eine halbe Packung Erdnüsse und ein Liter Tee haben mich wieder dazu motiviert, das Zelt zusammenzupacken und mich auf den Weg ins Tal zu machen.

Die vierte Nacht im Zelt war dann wieder beim Refugio Plantat, mit schönen Gedanken an Strand, Meer, gutes Essen und ein Bier bin ich eingeschlafen.
Am Vorabend hätte ich es für unmöglich gehalten, aber als ich am Morgen aufgewacht bin, war schon wieder die Lust auf weitere Berge da, obwohl ich diesen Berg noch nicht einmal ganz hinter mich gebracht hatte.

Aber der Abstieg nach Baños Morales sollte kein Problem sein. Ich bin einfach einem Muli-Treiber gefolgt, überzeugt davon, dass er einen besseren Weg hinunter kennt als ich. Als er dann gemütlich durch einen mittelgroßen Bach geritten ist und ich keine Lust auf Ausziehen und nasse Füße hatte, bin ich frei Schnauze auf meiner Seite des Bachs weitermarschiert. Irgendwann, wenige hundert Höhenmeter tiefer, stand ich dann da, links und rechts von mir inzwischen nicht mehr nur mittelgroße Bäche, nichts wo man sich an einer Querung versuchen möchte, und die Straße dahinter nur einen Katzensprung entfernt. Der abermalige Aufstieg und die Stunde Zeitverlust konnten meine Freude aber nicht trüben. Am frühen Nachmittag bin ich bei Ramón, dem Dueño vom „Tambo del Valle“ angekommen, er hat mir ein Gläschen Wein angeboten und für mich zwei Spiegeleier gekocht hat. Anschließend durfte ich eine schöne, warme Dusche genießen. Das restliche Baños Morales war wie ausgestorben, die einzigen anderen Touristen, zwei italienische Kletterer, haben mir versprochen, mich am folgenden Tag mit ins Tal zu nehmen. Der Abend wurde auch sehr gemütlich, Ramón hat mir wieder was Feines gekocht, gemeinsam haben wir fern gesehen und ein bisschen über die Berge palabert.

Gestern Mittag bin ich dann in Santiago angekommen und der Plan für die kommenden Tage ist auch schon gemacht: Churrasco, Completo, Lomo a lo pobre, Empanada und Pizza, dann Sand, Strand und Meer, denn am Pazifik war ich schon lange nicht mehr. Dort mache ich mir dann weitere Gedanke über die Berge.

Das Leben ist schön.

In die Berge…

Santiago de ChileNun bin ich angekommen. Was die physische Komponente der Sache betrifft, eh schon seit ein paar Tagen, jetzt ist aber auch der Rest von mir eingetroffen.

Doch das Warten auf Vollständigkeit ist nicht der alleinige Grund, warum ich noch immer in Santiago sitze. Mein nächstes Ziel ist Baños Morales im Cajón del Maipo, von wo ich mich in die nahe gelegenen Bergen begeben möchte. Doch leider fahren die Busse tatsächlich nur samstags und sonntags in den schönen Ort. Die teure Alternative, ein Taxi, wollte ich mir nicht leisten, da doch lieber auf die Vollständigkeit warten. Ich habe ja Zeit, und auf einen oder zwei Tage kommt es noch nicht an.

Verpflegung für eine knappe Woche ist größtenteils eingekauft, am Abend wird noch Rucksack gepackt und morgen um sechs Uhr in der Früh geht es los. Ich veranschlage erstmal eine Woche, denn die Busse zurück fahren natürlich auch nur am Wochenende. Mal schauen was bis dahin passiert…

Nüziders-MUC-MAD-SCL

2014-12-01_Packen_02Wahrscheinlich kennt jeder diesen Moment vor einer Reise, wenn der Rucksack das erste Mal gepackt wurde, eh nur das Nötigste, wobei das Handgepäck schon 5 kg über dem Limit ist und man schließlich feststellen muss, dass die Waage trotzdem 4 kg zuviel anzeigt…

Das ist nun überstanden, ich bin zuversichtlich, dass ich Alles dabei habe und mein Gepäck trotzdem problemlos eingecheckt wird. Gleich geht es los, morgen um diese Zeit bin ich im Anflug auf Santiago de Chile.

Ich bin alleine unterwegs, was nicht ganz den ursprünglichen Plänen entspricht, nun aber so ist. Mich erwarten zwei Monate „America del Sur“, irgendwo zwischen Baños Morales in Chile und Quito in Ecuador, möglichst viel Zeit in den Bergen. Drei Programmpunkte gilt es zu berücksichtigen, das ist die Ankunft morgen in Santiago, Anfang Februar der Rückflug von Santiago, und irgendwann dazwischen eine Tour mit Chris in Ecuador. Ja, das klingt nach einem ziemlich vollen Terminkalender, aber mit meinem Geschick im Time-Management werde ich es schaffen, all diese Aktivitäten in die zwei Monate zu quetschen und dabei noch genug Zeit für ein Bierchen oder einen Pisco Sour zu haben.

Für interessierte werde ich gelegentlich ein paar Zeilen und Bilder auf diese Seite stellen, für nicht interessiert auch, die müssen sie jedoch nicht beachten.

Alsdenn, ich verabschiede mich mit einem spanischen Gruß aus steirischen Eichenwäldern, mit kaum wahrnehmbarem US-amerikanischen Akzent: „Hasta la vista, Baby!“, dazu noch ein vorarlbergerisches „, odr?“, um möglichst kosmopolitisch zu wirken…

America del Sur: One week to go…

In einer Woche geht es los. Südamerika, Chile, Ecuador …

Ich bin gespannt, ein bisschen unsicher, so kurz vor der Abreise klappt einiges nicht ganz so wie ich mir gewünscht hätte. Die letzte Reise dieser Art liegt bereits siebeneinhalb Jahre zurück. Ja, bitte nicht lachen, stimmt, ich war ja unterwegs. Aber das hier ist etwas anderes. Privat, keine genauen Pläne, alleine (?).

Eigentlich sollte ich letzte Erledigungen machen, mich vorbereiten, mir Gedanken machen. Was nehme ich mit? Wohin geht es genau? Aber es ist mir ein Anliegen, etwas von der Reise weitergeben zu können, etwas loswerden zu können. Deshalb dieser Blog. Und der muss erstellt werden und heute ist auch die Lust dazu gekommen.

Mehr wird folgen, am 1. Dezember startet der Flieger gen Osten…